Wer einen RDS-Lizenzserver einrichten will, braucht neben der reinen Installation vor allem Klarheit über drei Fragen: Wann muss der Server aktiviert sein, welcher CAL-Typ passt zum eigenen Nutzungsmuster, und was passiert in der Übergangszeit ohne Lizenzserver? Dieser Praxisleitfaden führt durch die Einrichtung Schritt für Schritt und ordnet RDS-CALs für Per-User- und Per-Device-Zugriff anhand konkreter Preise ein, damit die Umgebung von Anfang an lizenzrechtlich sauber aufgesetzt ist.
Schritt 1: Die Rolle Remote Desktop Licensing installieren
Der RD-Lizenzserver wird über den Server-Manager als Rolle "Remote Desktop Services" mit dem Rollendienst "RD-Lizenzierung" installiert. Er kann auf demselben Server wie der Session-Host laufen oder auf einem eigenen Server, was sich vor allem in größeren Umgebungen mit mehreren Session-Hosts anbietet, da ein Lizenzserver dann zentral für mehrere Hosts CALs verwaltet, statt CALs je Host getrennt vorzuhalten und zu verwalten. Nach der Installation erscheint der Server in der RD-Lizenzierungskonsole, ist zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht aktiviert. In Domänenumgebungen empfiehlt es sich zusätzlich, den Lizenzserver der Gruppe "Terminal Server License Servers" im Active Directory hinzuzufügen, damit Session-Hosts ihn zuverlässig finden, ohne den Servernamen manuell je Host zu hinterlegen.
Schritt 2: Den Lizenzserver beim Microsoft Clearinghouse aktivieren
Ohne Aktivierung kann ein RD-Lizenzserver keine dauerhaften CALs ausstellen. Die Aktivierung erfolgt über die RD-Lizenzierungskonsole und meldet den Server beim Microsoft Clearinghouse an, wahlweise automatisch über das Internet oder telefonisch beziehungsweise per Webformular, falls der Server keinen direkten Internetzugang hat. Erst nach erfolgreicher Aktivierung lassen sich RDS-CAL-Pakete auf dem Server installieren und an Clients ausgeben. Ohne Internetzugang dauert die telefonische oder webformularbasierte Aktivierung in der Praxis meist nur wenige Minuten länger, sollte aber vor dem geplanten Produktivstart eingeplant werden, damit kein unnötiger Zeitdruck entsteht.
Schritt 3: RDS-CALs einspielen und den passenden CAL-Typ wählen
Nach der Aktivierung werden die erworbenen RDS-CAL-Pakete über den Lizenzierungsassistenten eingespielt. Dabei muss zwischen zwei CAL-Typen entschieden werden, siehe auch unser Glossar zu User CAL versus Device CAL:
- Per Device: Die CAL ist physisch an ein Gerät gebunden und wird vom Lizenzserver verfolgt. Beim Erstverbindungsversuch wird eine temporäre CAL vergeben, die 90 Tage gültig ist, danach folgt eine permanente CAL mit einem Erneuerungszyklus von 52 bis 89 Tagen. Bis zu 20 % der CALs können bei Bedarf zurückgezogen werden, etwa wenn Geräte ausgemustert oder ersetzt werden und die zugehörige CAL wieder freigegeben werden soll.
- Per User: Die CAL ist einem Benutzer im Active Directory zugeordnet, nicht in Workgroups nachverfolgbar und kann nicht zurückgezogen werden. Sie zeigt 60 Tage nach Ausstellung als "expiring" an und wird bei erneuter Anmeldung um weitere 60 Tage verlängert. Vor einer Neuzuweisung an einen anderen Nutzer gilt eine Mindestfrist von 90 Tagen, was bei häufigem Personalwechsel in der Planung berücksichtigt werden sollte.
Wichtig für gemischte Umgebungen: RDS-CALs müssen zur Windows-Server-Version des Session-Hosts kompatibel sein. Neuere CAL-Versionen funktionieren für ältere Session-Hosts, der umgekehrte Weg funktioniert nicht. Beim Kauf gebrauchter RDS-CAL-Pakete lohnt sich deshalb ein Blick auf die tatsächlich eingesetzte Windows-Server-Version des Session-Hosts, bevor eine ältere und günstigere CAL-Generation beschafft wird.
Die 120-Tage-Karenzzeit: Was in der Übergangszeit gilt
Für neu eingerichtete RDS-Umgebungen gilt eine Lizenzierungs-Karenzzeit von 120 Tagen, in der kein aktivierter Lizenzserver erforderlich ist. Diese Frist erlaubt es, den produktiven Betrieb zu starten, bevor die Lizenzierung final aufgesetzt ist. Nach Ablauf der 120 Tage benötigen Clients zwingend eine gültige, vom Lizenzserver ausgestellte RDS-CAL, sonst verweigert der Session-Host neue Verbindungen. Die Karenzzeit sollte deshalb aktiv für die Einrichtung genutzt werden, nicht als Aufschub verstanden werden. Gerade bei Neuinstallationen mit engem Projektplan ist die Karenzzeit ein wertvolles Zeitfenster, um Session-Hosts, Lizenzserver und CAL-Beschaffung parallel statt nacheinander aufzusetzen, ohne dass Anwender in dieser Phase Einschränkungen bemerken.
Die folgende Tabelle zeigt gebrauchte RDS-CAL-Preise bei Lyzio nach Generation und Typ, netto (Preisliste Stand September 2026, netto).
| Produkt | Preis netto |
|---|---|
| Windows Server 2019 RDS Device CAL | 62,40 € |
| Windows Server 2019 RDS User CAL | 54,40 € |
| Windows Server 2022 RDS Device CAL | 70,40 € |
| Windows Server 2022 RDS User CAL | 71,20 € |
| Windows Server 2025 RDS Device CAL | 91,20 € |
| Windows Server 2025 RDS User CAL | 91,20 € |
RDS-CAL-Preise und Beispielrechnung: 25 Mitarbeiter im Terminalserver-Betrieb
Ein Unternehmen mit 25 Mitarbeitern, die jeweils von wechselnden Notebooks aus auf einen Terminalserver mit Windows Server 2022 zugreifen, entscheidet sich für Per-User-CALs, da die Zuordnung an das Gerät bei wechselnden Endgeräten wenig Sinn ergibt. Die Kosten betragen 25 × 71,20 € = 1.780,00 € netto. Würde stattdessen ein Zwei-Schicht-Betrieb mit 15 fest zugewiesenen Arbeitsplätzen vorliegen, wären 15 Device-CALs zu 70,40 € ausreichend, macht 1.056,00 € netto, unabhängig davon, wie viele Mitarbeiter sich die Geräte über die Schichten hinweg teilen. Dieses Beispiel zeigt, dass eine pauschale Empfehlung für einen der beiden CAL-Typen wenig Sinn ergibt, die Entscheidung hängt an der tatsächlichen Zuordnung von Nutzern zu Geräten im jeweiligen Betrieb.
Fazit: Einrichtung und CAL-Wahl gehören zusammen geplant
Einen RDS-Lizenzserver einrichten heißt nicht nur, die Rolle zu installieren und zu aktivieren, sondern von Anfang an die passende CAL-Strategie mitzudenken. Wer die 120-Tage-Karenzzeit aktiv für Aktivierung und CAL-Einspielung nutzt statt sie verstreichen zu lassen, vermeidet, dass der produktive Betrieb kurz vor Fristablauf unter Zeitdruck gerät. Grundlagenwissen zu RDS-CAL, VDA und VDI liefert unser Ratgeber RDS-CAL oder VDA, die Office-Lizenzierung im Terminalserver-Betrieb behandelt unser Ratgeber zur Terminalserver-Office-Lizenzierung. Bei Lyzio erhalten Sie RDS-CALs mehrerer Generationen als geprüfte Gebrauchtlizenz mit vollständiger Dokumentation.