Bei der Wahl der Bürosoftware stellen sich immer mehr Unternehmen dieselbe Frage: LibreOffice oder Microsoft Office? LibreOffice ist kostenlos, quelloffen und deckt die Grundfunktionen von Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentation vollständig ab. Trotzdem entscheiden sich viele Unternehmen weiterhin für Microsoft Office, oft aus guten fachlichen Gründen. Dieser Ratgeber zieht einen fairen Vergleich: wo LibreOffice im Unternehmensalltag reicht, wo Microsoft-Formate und -Funktionen den Unterschied machen, und welche dritte Option zwischen kostenloser Open-Source-Software und laufendem Abo steht.
LibreOffice im Unternehmenseinsatz: Was das Programm leistet
LibreOffice wird von der gemeinnützigen Stiftung The Document Foundation entwickelt und steht unter der Mozilla Public License 2.0, ergänzend sind einzelne Komponenten auch unter GPL, LGPLv3+ oder Apache License 2.0 verfügbar. Die Software ist für Unternehmen ohne Lizenzkosten nutzbar, es fallen weder Anschaffungs- noch laufende Abo-Kosten an. Aktuell pflegt das Projekt zwei Versionslinien parallel: die „Fresh"-Linie mit den jeweils neuesten Funktionen (aktuell Version 26.2.x) und die „Still"-Linie mit längerem Support-Zeitraum für stabilitätsorientierte Umgebungen (aktuell Version 25.8.x). LibreOffice liest und schreibt die gängigen Microsoft-Office-Formate wie .docx und .xlsx, sodass der Dokumentenaustausch mit Kunden und Partnern, die Microsoft Office nutzen, grundsätzlich funktioniert. Für viele Standardaufgaben im Büroalltag, von Textverarbeitung über einfache Kalkulationen bis zu Präsentationen, ist LibreOffice damit eine ernstzunehmende und kostenfreie Alternative.
Wo Microsoft-Formate und Makros den Unterschied machen
Die Formatkompatibilität von LibreOffice zu .docx und .xlsx ist gut, aber nicht in jedem Fall perfekt: Bei komplex formatierten Dokumenten, verschachtelten Excel-Formeln oder aufwendigen PowerPoint-Animationen können beim Wechsel zwischen den Programmen Layout-Abweichungen auftreten. Wer regelmäßig Dokumente mit Kunden, Behörden oder Partnern austauscht, die selbst mit Microsoft Office arbeiten, sollte diesen Praxistest vor einer Umstellung durchführen. Ein zweiter kritischer Punkt sind Makros: Microsoft Office nutzt Visual Basic for Applications (VBA), LibreOffice bringt mit LibreOffice Basic eine eigene Makrosprache mit. VBA-Makros lassen sich in LibreOffice nur eingeschränkt und nicht immer verlustfrei ausführen. Unternehmen mit historisch gewachsenen Excel-Vorlagen und VBA-gestützten Arbeitsabläufen sollten diesen Punkt vor einem Wechsel sorgfältig prüfen, da eine Anpassung der Makros Aufwand verursacht.
Das DATEV-Umfeld: Ein Praxisbeispiel für die Formatfrage
Besonders deutlich wird die Formatfrage im DATEV-Umfeld, das in deutschen Steuerkanzleien und vielen mittelständischen Buchhaltungen weit verbreitet ist. DATEV unterstützt nach eigener Aussage Microsoft Office 2021 und Microsoft Office LTSC 2021 bis zu den DATEV-Programmen der Version 20.0 (ab August 2026). Microsoft selbst beendet den regulären Support für Office 2021 und Office LTSC 2021 zum 13. Oktober 2026. Für Unternehmen, die DATEV-Schnittstellen aktiv nutzen, bleibt Microsoft Office damit die von DATEV offiziell adressierte Plattform. Wer in einer solchen Umgebung arbeitet, sollte vor einem Umstieg auf LibreOffice die konkrete Freigabesituation direkt bei DATEV klären, statt sich auf allgemeine Formatkompatibilität zu verlassen.
Der dritte Weg: Microsoft Office als gebrauchte Kauflizenz
Zwischen kostenlosem LibreOffice und einem laufenden Microsoft-365-Abo gibt es einen dritten Weg: gebrauchte Microsoft-Office-Kauflizenzen. Wer die Microsoft-Formattreue und die gewohnte Bedienoberfläche behalten, aber keine monatlichen Abo-Kosten zahlen möchte, findet im Lyzio-Shop für gebrauchte Microsoft-Office-Lizenzen mehrere Generationen als Einmalkauf. Die folgende Tabelle zeigt aktuelle Beispielpreise (Preisliste Stand September 2026, netto).
| Produkt | Preis netto |
|---|---|
| Office LTSC 2019 Standard | 63,20 € |
| Office LTSC 2021 Standard | 120,00 € |
| Office LTSC 2021 Professional Plus | 126,40 € |
| Office LTSC 2024 Standard | 229,00 € |
| Office LTSC 2024 Professional Plus | 269,00 € |
Diese Preise fallen einmalig an, es entstehen keine laufenden Abo-Kosten. Wie sich die Gesamtkosten von Kauflizenz und Abo-Modell über mehrere Jahre unterscheiden, rechnet unser Ratgeber Office kaufen oder Microsoft 365 abonnieren? im Detail vor.
Entscheidungshilfe: Wann LibreOffice reicht, wann nicht
- Reines Erstellen und Lesen von Text-, Tabellen- und Präsentationsdokumenten ohne komplexe Formatierung: LibreOffice reicht in der Regel aus.
- Regelmäßiger Dokumentenaustausch mit Partnern, die selbst Microsoft Office nutzen, bei komplexen Layouts: Microsoft-Formattreue spricht für Microsoft Office.
- Bestehende VBA-Makros und historisch gewachsene Excel-Vorlagen: Ein Wechsel zu LibreOffice bedeutet Migrationsaufwand.
- DATEV-Anbindung oder vergleichbare, formatabhängige Fachanwendungen: Microsoft Office bleibt die von den jeweiligen Anbietern adressierte Plattform.
- Budget ist der entscheidende Faktor, die Anforderungen sind einfach: LibreOffice spart die Lizenzkosten vollständig.
Fazit: Keine Glaubensfrage, sondern eine Frage der Anforderungen
LibreOffice oder Microsoft Office ist keine grundsätzliche Glaubensfrage, sondern eine Frage der konkreten Anforderungen im Unternehmen. Wo Formatierung, Makros und Fachanwendungen wie DATEV eine Rolle spielen, bleibt Microsoft Office die verlässlichere Wahl. Wer dabei nicht dauerhaft in ein Abo-Modell einsteigen möchte, findet mit gebrauchten Microsoft-Office-Kauflizenzen einen wirtschaftlichen Mittelweg. Wie sich eine solche Kauflizenz strategisch neben oder anstelle eines Microsoft-365-Abos einsetzen lässt, zeigt unser Ratgeber Cloud-Rückkehr: Warum Unternehmen von Microsoft 365 zurück zu Kauflizenzen wechseln. Mehr zum Prinzip der Kauflizenz und zur digitalen Souveränität bei der Softwareauswahl erklärt unser Glossar.