Neben Enterprise Agreement und Open/Select taucht in Lizenzgesprächen immer wieder ein drittes Programm auf: das Microsoft MPSA, ausgeschrieben Microsoft Products and Services Agreement. Für viele IT-Verantwortliche bleibt unklar, was das Programm genau leistet und ob es 2026 überhaupt noch für Neuverträge zur Verfügung steht. Dieser Ratgeber erklärt, was hinter dem MPSA steckt, wie es sich von EA und Open/Select unterscheidet, und ordnet transparent ein, warum der aktuelle Status für Neukunden nicht eindeutig geklärt ist.
Microsoft MPSA erklärt: Was das Programm leistet
Das MPSA ist ein transaktionales, unbefristetes („evergreen") Volumenlizenzprogramm für kommerzielle, staatliche und akademische Organisationen ab 250 Nutzern beziehungsweise Geräten, verfügbar in über 190 Ländern und Regionen. Über das MPSA können Kunden On-Premises-Software und Cloud-Dienste beziehen, ohne eine organisationsweite Mindestabnahmeverpflichtung einzugehen. Das unterscheidet es strukturell von klassischen Rahmenverträgen mit fester Mindestabnahme: Bestellungen erfolgen transaktional, also je nach tatsächlichem Bedarf, statt über eine im Voraus vereinbarte Gesamtmenge. Organisationen bestellen dabei über sogenannte Purchasing Accounts, die sich innerhalb eines Vertrags auch nach einzelnen Konzerngesellschaften oder Geschäftsbereichen aufteilen lassen.
Eine Änderung zum 1. November 2025: Rabattstufen abgeschafft
Zum 1. November 2025 wurden die klassischen Preisstufen-Rabatte, die sogenannten Level-A-bis-D-Rabatte, für Online-Dienste unter Enterprise Agreement und MPSA abgeschafft. Seitdem gilt für Online-Dienste grundsätzlich der Listenpreis von microsoft.com, mit Ausnahmen etwa für US-Behörden- und Bildungspreislisten. On-Premises-Software ist von dieser Änderung nicht betroffen. Für Unternehmen, die über MPSA vor allem On-Premises-Lizenzen bezogen haben, ändert sich an der Preisstruktur dadurch wenig, während der Rabattvorteil bei Cloud-Diensten entfällt.
Für die Beschaffungsplanung heißt das: Wer über MPSA in erster Linie On-Premises-Kauflizenzen wie Office, Windows Server oder SQL Server bezieht, ist von der Rabattreform kaum betroffen. Wer dagegen einen relevanten Anteil an Online-Diensten über das Programm bezogen hat, sollte die eigene Kalkulation prüfen, da der bisherige Stufenrabatt beim Übergang auf den Listenpreis entfällt.
Der unklare Status für Neukunden 2026: transparent eingeordnet
Ob das MPSA per September 2026 noch aktiv für Neukunden verfügbar ist, lässt sich derzeit nicht eindeutig beantworten. Die offizielle Microsoft-Learn-Schulungsseite zum MPSA beschreibt das Programm weiterhin ohne erkennbare Einschränkung als aktives Programm inklusive Neuregistrierung. Mehrere unabhängige Lizenzierungs-Fachportale berichten dagegen, dass das MPSA für Neugeschäft bereits seit Mitte 2025 geschlossen und zugunsten des Microsoft Customer Agreement (MCA beziehungsweise MCA-E) abgelöst werde. Eine offizielle Microsoft-Ankündigung einer Einstellung des Programms konnte in dieser Recherche nicht gefunden werden. Für Ihre konkrete Beschaffungsplanung gilt daher: Verbindlich ist ausschließlich die aktuelle Auskunft Ihres Microsoft-Lizenzpartners, nicht eine allgemeine Einordnung aus diesem Artikel.
Einordnung neben EA und Open/Select
Das Enterprise Agreement richtet sich an größere Organisationen mit mehrjähriger, organisationsweiter Bindung und Mindestabnahmeverpflichtung. Open- und Select-Verträge, mittlerweile weitgehend durch Nachfolgeprogramme abgelöst, adressierten kleinere und mittlere Organisationen mit einfacherer Vertragsstruktur. Das MPSA positioniert sich strukturell dazwischen: transaktional wie ein Einzelkauf, aber mit den Konditionen eines Volumenlizenzprogramms und ohne die starre Mindestabnahme des EA. Mehr zur Situation ausgelaufener Open- und Select-Verträge lesen Sie in unserem Ratgeber Open/Select-Vertrag ausgelaufen, Alternativen zum Enterprise Agreement beschreibt unser Ratgeber zur Enterprise-Agreement-Alternative.
Für die praktische Einkaufsentscheidung lohnt sich ein Blick auf die tatsächliche Beschaffungsstruktur des eigenen Unternehmens: Wer regelmäßig in planbaren, größeren Mengen kauft und eine mehrjährige Vertragsbindung akzeptiert, findet im EA weiterhin ein etabliertes Modell. Wer dagegen unregelmäßig, in wechselnden Stückzahlen oder ohne organisationsweite Festlegung beschaffen möchte, war beim MPSA bisher strukturell besser aufgehoben als beim EA. Ob diese Einordnung angesichts der unklaren Zukunft des Programms weiterhin trägt, sollte im Einzelfall mit dem eigenen Lizenzpartner abgeglichen werden.
Die programmfreie Alternative: transaktionaler Gebrauchtkauf
Unabhängig davon, wie sich der Status des MPSA für Neukunden entwickelt, steht Unternehmen ein programmfreier Weg offen: der transaktionale Kauf gebrauchter Microsoft-Volumenlizenzen. Dieser Weg basiert auf dem urheberrechtlichen Erschöpfungsgrundsatz und setzt weder einen aktiven Microsoft-Vertrag noch eine Mindestnutzerzahl voraus. Wer Softwarelizenzen einzeln oder in kleineren Mengen benötigt, ohne sich an ein laufendes Volumenlizenzprogramm zu binden, findet hier eine flexible Ergänzung oder Alternative zu MPSA, EA und den Nachfolgern von Open/Select. Mehr zum MPSA-Programm selbst finden Sie zudem in unserem Glossar.
Fazit: MPSA als Baustein, nicht als einzige Option
Das Microsoft MPSA erklärt sich als transaktionales, unbefristetes Volumenlizenzprogramm ohne organisationsweite Mindestabnahme, positioniert zwischen Enterprise Agreement und den kleineren Programmnachfolgern von Open/Select. Ob es für Ihr Unternehmen als Neuvertrag noch infrage kommt, sollten Sie direkt mit Ihrem Microsoft-Partner klären, da die öffentlich verfügbaren Quellen dazu 2026 kein einheitliches Bild zeichnen. Als programmfreie Ergänzung bleibt der Kauf gebrauchter Volumenlizenzen für viele Bedarfsfälle eine wirtschaftliche und flexible Option.