Wenn Unternehmen gebrauchte Microsoft-Lizenzen kaufen, stammen diese fast immer aus Volumenlizenzverträgen: Ein Großunternehmen hat vor Jahren hunderte Office- oder Server-Lizenzen erworben, braucht sie nach einer Cloud-Migration nicht mehr, und verkauft sie. Wer versteht, wie Volumenlizenzierung funktioniert, versteht auch, warum Gebrauchtsoftware seriös, legal und auditsicher sein kann.
Dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten Volumenlizenzprogramme, das Prinzip der Lizenzaufspaltung und die Kriterien für einen sauberen Kauf aus zweiter Hand.
Was ist eine Volumenlizenz?
Volumenlizenzen sind Lizenzverträge für Unternehmen, die Software in größeren Stückzahlen benötigen. Statt einzelner Verpackungen mit je einem Schlüssel erhält der Kunde einen Rahmenvertrag, eine Lizenzbestätigung über die erworbene Stückzahl und in der Regel einen zentralen Installationsschlüssel. Die wichtigsten historischen und aktuellen Programme:
Open License / Open Value
Jahrzehntelang das Einstiegsprogramm für kleine und mittlere Unternehmen ab wenigen Lizenzen. Das klassische Open-License-Programm wurde von Microsoft eingestellt, die darüber erworbenen unbefristeten Lizenzen bleiben jedoch gültig, und bilden heute einen großen Teil des Gebrauchtmarkts.
Select Plus und Enterprise Agreement
Programme für Großunternehmen und Konzerne mit hohen Stückzahlen, teils mit unternehmensweiter Standardisierung. Auch hier gilt: Unbefristet erworbene Lizenzen (Perpetual) sind übertragbar.
MPSA (Microsoft Products and Services Agreement)
Das modernere Rahmenvertragsmodell, das Kauflizenzen und Online-Dienste kombiniert. Relevant für den Gebrauchtmarkt sind nur die unbefristeten Kaufkomponenten.
Entscheidend für den Zweitmarkt ist in allen Programmen dieselbe Eigenschaft: Es handelt sich um unbefristete Kauflizenzen, für die der Erschöpfungsgrundsatz gilt. Die juristische Herleitung finden Sie in unserem Grundlagenartikel Gebrauchte Software kaufen: Ist das wirklich legal?
Dürfen Volumenlizenzen aufgespalten werden?
Ja, und das ist der Punkt, der den Gebrauchtmarkt für KMU überhaupt erst interessant macht. Die Rechtsprechung hat klargestellt, dass aus einem Volumenpaket einzelne Lizenzen herausgelöst und separat weiterverkauft werden dürfen. Jede Einzellizenz innerhalb des Pakets ist ein eigenständiges Nutzungsrecht.
Wichtig ist die Abgrenzung: Aufspalten eines Pakets in einzelne, vollständige Lizenzen ist zulässig. Nicht zulässig wäre es, eine einzelne Lizenz zu vervielfältigen oder eine Client-Server-Lizenz künstlich zu zerteilen. Seriöse Händler dokumentieren deshalb genau, aus welchem Vertrag welche Stückzahl stammt und wie viele davon an wen übertragen wurden.
Die Rechtekette: So bleibt die Herkunft nachvollziehbar
Beim Kauf einer gebrauchten Volumenlizenz sollten Sie folgende Dokumente erhalten:
- Herkunftsnachweis: Angaben zum ursprünglichen Volumenlizenzvertrag (Programm, Vertragsnummer bzw. anonymisierte Referenz, Produkt, Stückzahl)
- Übertragungserklärung: Die dokumentierte Kette vom Ersterwerber über den Händler zu Ihnen
- Vernichtungs-/Löscherklärung: Die Bestätigung des Vorbesitzers, dass er seine Kopien unbrauchbar gemacht hat
- Rechnung mit eindeutiger Produktbezeichnung
Mit diesen Unterlagen besteht Ihre Lizenz jede Prüfung, wie Sie sich generell auf eine Lizenzprüfung vorbereiten, lesen Sie in unserem Ratgeber zum Microsoft Lizenzaudit.
Beispielszenario: 25 Arbeitsplätze aus einem Konzernbestand
Vereinfachtes Beispiel, Preise netto, Stand August 2026 (Listenpreis bzw. Lyzio-Shop-Preis).
Ein Ingenieurbüro mit 25 Mitarbeitern benötigt Office 2021 Professional Plus. Ein Konzern hat nach seiner Microsoft-365-Migration 800 Lizenzen aus einem Select-Vertrag abgegeben; ein Händler hat davon ein Kontingent übernommen und dokumentiert.
Das Ingenieurbüro kauft 25 dieser Lizenzen zu je 126,40 € statt je 579 € (Listenpreis), zusammen 3.160 € statt 14.475 €, eine Ersparnis von rund 78 % bei identischem Funktionsumfang. Zu jeder Lizenz erhält es die vollständige Nachweiskette bis zum Select-Vertrag des Konzerns. Ob sich in Ihrem Fall Kauflizenz oder Abo mehr lohnt, rechnet unser Artikel Office kaufen oder Microsoft 365 abonnieren? durch.
Woran Sie unsaubere Angebote erkennen
Vorsicht ist geboten, wenn ein Anbieter nur einen Schlüssel liefert, keine Angaben zur Herkunft macht, Lizenzen aus Nicht-EU-Quellen stammen oder der Preis so weit unter Marktniveau liegt, dass eine legale Herkunft ausgeschlossen scheint. Mehr dazu in unserem Vergleich seriöser Händler und dubioser Key-Shops.
Fazit
Volumenlizenzen sind das Rückgrat des Gebrauchtsoftware-Markts: unbefristet, aufspaltbar, übertragbar. Wer beim Kauf auf die vollständige Rechtekette achtet, erhält vollwertige Microsoft-Lizenzen zum Bruchteil des Neupreises.